RalfJoos IT-Systemadministrator
Projekt · Oktober 2026

Ein KI-Team, das lokal auf meinem PC arbeitet

Die Werkbank ist ein Arbeitsplatz für ein großes Sprachmodell, das komplett auf meinem Rechner läuft. Vier Personas mit eigenem Fach legen Dateien an, führen Befehle aus, recherchieren im Web und geben sich Aufgaben weiter. Kein Text und keine Datei geht dabei an einen Cloud-Anbieter.

Python pywebview Lokales LLM Windows-Sandbox SearXNG
4 Personasmit eigenem Fach
199 Testslaufen automatisch
3,8×schneller als vorher, einmal gemessen
Werkbank
Die Werkbank: Ada Lovell, die Entwicklerin, übernimmt einen Auftrag von Jana Brenner und baut ein Werkzeug, mit Aufgabenliste und Test.

Warum ich sie gebaut habe

Die KI-Werkzeuge, mit denen ich arbeite, schicken ihre Daten in die Cloud. Für vieles ist das in Ordnung, für sensible Daten nicht. Also habe ich ein offenes Sprachmodell aus der Qwen-Familie lokal zum Laufen gebracht und auf meine Grafikkarte abgestimmt. Es läuft über Strata, ein eigenständiges Open-Source-Projekt.

Dann zeigte sich das eigentliche Problem: Lokale Modelle lesen Eingaben deutlich langsamer ein als Cloud-Modelle. Claude Code als Oberfläche schickte bei jeder Anfrage rund 28.000 Token mit. Bei einer Testaufgabe, einer animierten Webseite, gingen von 56 Minuten allein 33 aufs Einlesen. Die Werkbank schickt dem Modell nur, was es für den nächsten Schritt braucht.

Dieselbe Testaufgabe, dasselbe ModellDauer
Claude Code als Oberfläche56 min
Werkbank14 min 35 s, ohne Fehlversuch

Das ist eine Einzelmessung, und so steht sie auch in meiner Dokumentation. Der Unterschied ist aber groß genug, dass die Richtung stimmt.

Ein Team statt eines Alleskönners

PersonaFach
Ada LovellEntwicklung: Programme, Skripte und Werkzeuge in Python, PowerShell, JavaScript
Linus TorwaldIT: Windows und Active Directory, Netzwerk und Cisco, Linux und mein Raspberry Pi
Jana BrennerMarketing, mit Websuche
Wiebke MeierWebdesign: Gestaltung und Barrierefreiheit

Jede Persona hat ihr eigenes Gedächtnis, eigene Rechte und eigene Einstellungen. Jede kennt die anderen. Gehört eine Aufgabe ins Fach einer Kollegin, schlägt sie die Übergabe selbst vor. Ich entscheide per Knopf. Dann fasst sie die Sitzung als Auftrag zusammen, mit Ziel, Entscheidungen, Dateien und offenen Fragen, und die Kollegin beginnt damit eine neue Sitzung. Bei Detailfragen liest sie in der ursprünglichen Sitzung nach.

Übergabe-Vorschlag
Jana sucht im Web, liest einen Feed, erkennt eine Programmieraufgabe und schlägt die Übergabe an Ada vor. Darunter der Knopf An Ada Lovell übergeben.
Jana recherchiert, erkennt eine Programmieraufgabe und schlägt die Übergabe an Ada vor. Bildschirmfotos mit Beispieldaten.

Der Anlass dafür war eine Beobachtung: Die Marketing-Persona hatte sich ihre Werkzeuge selbst programmiert, statt das an jemanden mit dem passenden Fach zu geben. Ein Team ist nur dann eines, wenn die Mitglieder wissen, wer was kann.

Was sie können

Dateien und Befehle

Lesen, anlegen, gezielt ändern mit Vorher-Nachher, PowerShell ausführen. Jeder Schritt erscheint als Karte.

Aufgabenliste

Bei mehreren Schritten legt die Persona einen Plan an und hakt ab.

Gedächtnis

Dauerhaft je Persona, jeder Eintrag les- und löschbar. Frühere Sitzungen lassen sich durchsuchen.

Websuche

Über eine eigene Suchmaschine (SearXNG) auf meinem Raspberry Pi, ohne Konto und nur im Heimnetz.

Raspberry Pi

Linus liest Logs und pflegt Web-Ordner als eigener Benutzer ohne root. Vor jedem Überschreiben entsteht eine Sicherung.

Lange Sitzungen

Alte Ausgaben gehen gekürzt ans Modell, /kompakt fasst zusammen und macht neu weiter.

Eine KI mit Befehlszeile braucht echte Grenzen

Ein Assistent, der selbst Befehle ausführt, ist nützlich und gefährlich zugleich. Bevor ich das erlaubt habe, habe ich ihn eingegrenzt. Beim Einrichten fiel mir auf, dass er sonst an einen Schlüssel gekommen wäre, der ihm vollen Zugriff auf einen anderen Rechner im Haus gegeben hätte. Das habe ich geschlossen, bevor es darauf ankam.

  • Sandbox: Befehle laufen mit der niedrigen Integritätsstufe von Windows in einem Job-Objekt. Schreiben geht nur im Arbeitsordner, SSH-Schlüssel sind gegen Lesen gesperrt. Die Grenze setzt Windows selbst, nicht eine Liste verbotener Befehle.
  • Schutz gegen Anweisungen aus Webseiten: Eine Webseite kann Text enthalten, der sich an die KI richtet. Webinhalte gehen deshalb gerahmt als fremde Daten ans Modell, und danach braucht jeder Befehl mein Ja. Seiten aus dem Heimnetz liest die Werkbank gar nicht, auch nicht über eine Weiterleitung.
  • Git-Schutz: Personas können keine Repositorys anlegen und nicht in .git schreiben. Sonst könnten sie Hooks hinterlegen, die später mit meinen Rechten laufen.
  • Rückgängig und Protokoll: Vor jeder Nachricht ein Sicherungsstand, jede Änderung und jeder Befehl im Protokoll.
Rückfrage nach einer Websuche
Rückfrage der Werkbank: Weil Webinhalte im Verlauf stehen, braucht ein PowerShell-Befehl die ausdrückliche Freigabe. Drei Knöpfe: Ja, Nein, in dieser Sitzung nicht mehr fragen.
Nach einer Websuche fragt jeder Befehl nach, auch wenn die Persona sonst frei arbeiten darf.

Gebaut wie ein Betriebsprojekt

Die Idee, die Anforderungen und die Abnahme kommen von mir, umgesetzt habe ich sie zusammen mit Claude Code. Weil ich nicht jede Zeile selbst schreibe, prüfe ich umso mehr:

  • 199 automatische Tests in 22 Testdateien, dazu ein Klicktest, der im echten Fenster tippt, klickt und die Karten liest.
  • Ein Bautagebuch mit jedem Schritt und 21 begründeten Entscheidungen, alles versioniert auf GitHub.
  • Messen vor Entscheiden: Vor dem Einstellungsmenü habe ich geprüft, ob die Temperatur bei meinem Modell überhaupt einen Unterschied macht. Zwölf Läufe, drei Stufen, eine genaue und eine kreative Aufgabe: zwölf von zwölf bestanden, kein Unterschied in der Genauigkeit. Das Menü kam trotzdem, aber als Steuerung und nicht als versprochene Verbesserung.
Einstellungen je Persona
Die Einstellungstafel: Denken, Stil Genau, Ausgewogen oder Kreativ, Temperatur, Top-p, Top-k und Seed.
Je Persona einstellbar: Denkstufe, Stil, Temperatur und weitere Werte für die Textausgabe.
Was ich gelernt habe

Ob die erzeugten Oberflächen flüssig liefen, wollte ich zuerst mit einem schnellen Abzug im Hintergrund prüfen. Der zeigte aber noch das Standbild und meldete alles als ruckelig, obwohl es das nicht war. Bewegung sehe ich mir seitdem im echten Fenster an und nicht in einem Schnelltest, der die Frage gar nicht beantworten kann.

Technik

TeilWomit
AnwendungPython 3.13, pywebview mit Edge WebView2, rund 4.700 Zeilen Python und 2.200 Zeilen Oberfläche
ModellQwen3.8-Familie lokal über Strata, OpenAI-kompatible Schnittstelle mit Streaming und Werkzeugaufrufen. Rund 40 Token pro Sekunde auf einer RTX 4060 Ti
Oberflächeeigener Markdown-Renderer ohne Roh-HTML, Deutsch und Englisch über Sprachdateien, hell und dunkel
SicherheitWindows-Integritätsstufen, Job-Objekte, Zugriffslisten, Sperrliste, Protokoll
Zweite Fassungeine englische „Strata Workbench“ ohne meine Heimnetz-Teile, mit gemeinsamem Oberflächencode

Fragen zur Werkbank?

Ich zeige sie gern im Gespräch, live auf meinem Rechner.